
Ihr erster Überblick
Wenn sich Ihr Mund plötzlich nicht mehr richtig öffnen lässt, steckt dahinter fast immer eine behandlungsbedürftige Ursache – von Muskelverkrampfung bis zur Entzündung. Auf dieser Seite erklären wir Ihnen ruhig und verständlich, was hinter einer Kieferklemme steckt, welche Ursachen infrage kommen und wie die Behandlung in der DOC Praxisklinik im Wiley Neu-Ulm abläuft. Ihr Vertrauen und Ihre Sicherheit stehen dabei an erster Stelle.
Was ist eine Kieferklemme?
- Einschränkung der aktiven Mundöffnung, meist unter 30 mm Schneidekantendistanz
- Medizinischer Fachbegriff: Trismus
- Kann akut auftreten oder sich schleichend entwickeln
- Häufig begleitet von Schmerzen in Kaumuskulatur oder Kiefergelenk
Eine Kieferklemme bezeichnet eine Bewegungseinschränkung des Unterkiefers, bei der die Mundöffnung deutlich reduziert ist. Anders als bei einer Kiefersperre bleibt der Mund geschlossen und lässt sich nicht ausreichend öffnen. Normalerweise liegt die maximale Mundöffnung, gemessen zwischen den Schneidezähnen, zwischen 40 und 55 Millimetern. Bei einer Kieferklemme liegt dieser Wert deutlich darunter.
Ursache ist entweder eine Verkrampfung der Kaumuskulatur (Musculus masseter, Musculus pterygoideus) oder ein mechanisches Hindernis im Kiefergelenk. Der Zustand ist ein Symptom, keine eigenständige Erkrankung. Die zugrunde liegende Ursache muss deshalb präzise diagnostiziert werden.
Medizinisch wird zwischen einer unilateralen Kieferklemme (nur eine Kieferseite betroffen) und einer bilateralen Kieferklemme (beide Seiten) unterschieden. Bilaterale Formen gehen häufig auf muskuläre oder entzündliche Ursachen zurück, während einseitige Formen eher auf lokale Ursachen wie einen Abszess, eine Fraktur oder eine Gelenkveränderung auf einer Seite hindeuten. Diese Unterscheidung hilft schon bei der ersten klinischen Untersuchung, den Weg zur richtigen Diagnose zu verkürzen.
Kieferklemme, Kiefersperre und Trismus, die Begriffe abgegrenzt
In der Zahnmedizin und in der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie tauchen mehrere ähnlich klingende Begriffe auf. Für die Diagnose und die richtige Therapie ist die klare Unterscheidung wichtig.
| Begriff | Was ist eingeschränkt? | Typische Situation |
|---|---|---|
| Kieferklemme | Öffnung des Mundes | Mund lässt sich nicht weit genug öffnen |
| Kiefersperre | Schließen des Mundes | Mund bleibt offen stehen, lässt sich nicht schließen |
| Trismus | Öffnung des Mundes | Medizinischer Fachbegriff für Kieferklemme |
| Ankylose | Öffnung des Mundes | Älterer medizinischer Ausdruck, synonym zu Kieferklemme |
Kurz gesagt: Kieferklemme und Trismus stehen für dasselbe Problem; der Mund lässt sich nicht weit genug öffnen. Bei einer Kiefersperre ist es umgekehrt; der Mund lässt sich nicht schließen. Beide Zustände können schmerzhaft sein und gehören in fachärztliche Hände.
Ältere Befundberichte verwenden den Begriff Ankylose manchmal gleichbedeutend mit Kieferklemme. In der modernen Medizin ist die Bedeutung enger: Eine echte Ankylose beschreibt eine vollständige knöcherne oder fibröse Verwachsung des Kiefergelenks, die einen chirurgischen Eingriff erfordert. Begegnet Ihnen der Begriff, sollten Sie die genaue Bedeutung im jeweiligen Kontext mit Ihrem Arzt klären.
Ursachen einer Kieferklemme: muskulär, entzündlich, traumatisch
- Muskuläre Ursachen: Bruxismus, CMD, Stress und Überlastung der Kaumuskulatur
- Entzündliche Ursachen: Abszesse, Peritonsillarabszess, odontogene Infektionen
- Traumatische Ursachen: Kieferfrakturen, Jochbeinfrakturen, narbige Veränderungen nach Operationen
- Seltene Ursachen: Tumoren im Bereich von Kiefer und Kaumuskulatur
Kieferklemmen entstehen aus sehr unterschiedlichen Gründen. Muskuläre Auslöser sind in unserer Praxis am häufigsten, doch entzündliche und traumatische Ursachen können genauso dahinterstecken – und werden ohne genaue Diagnostik leicht übersehen.
Muskuläre Ursachen: Bruxismus und CMD
Der weitaus häufigste Grund für eine Kieferklemme ist eine Verspannung oder Überlastung der Kaumuskulatur. Ursache ist häufig nächtliches Zähneknirschen (Bruxismus) oder eine craniomandibuläre Dysfunktion (CMD), eine funktionelle Störung des gesamten Kausystems. Stress, Fehlhaltungen und Störungen im Zahnkontakt spielen dabei eine wichtige Rolle. Die verkrampften Muskeln, vor allem der Musculus masseter, begrenzen die Öffnungsbewegung und verursachen Schmerzen bis in Schläfen und Nacken.
Typisch für eine muskuläre Kieferklemme ist, dass die Mundöffnung morgens nach dem Aufwachen am stärksten eingeschränkt ist und sich im Laufe des Tages etwas bessert. Viele Betroffene bemerken zudem, dass sich die Beschwerden in Stressphasen verschlechtern. Wärme, etwa eine Wärmflasche auf der Wange, kann die verspannte Muskulatur vorübergehend entspannen. Das ist jedoch keine Behandlung, sondern allenfalls eine kurzfristige Erleichterung.
Bei muskulären Ursachen kommen unter anderem eine Schienentherapie und gezielte Korrekturen der Zahnkontakte infrage. Welche Kombination für Sie sinnvoll ist, erarbeiten wir in einer ausführlichen Diagnostik.

Entzündliche und zahnmedizinische Ursachen
Entzündungen im Mund- und Rachenraum können die Kaumuskulatur reflektorisch verkrampfen lassen. Typische Auslöser sind Abszesse nach schwierigen Weisheitszähnen, ein Peritonsillarabszess (ein Abszess im Bereich der Gaumenmandeln, der über benachbarte Muskeln auf den Kiefer ausstrahlt) oder odontogene Infektionen mit Beteiligung des Kieferknochens. Auch erschwerte Zahndurchbrüche, häufig beim unteren Weisheitszahn, und Entzündungen am Zahnhalteapparat kommen als Auslöser in Betracht.
Das Besondere an entzündlichen Kieferklemmen: Die Mundöffnungseinschränkung ist oft sehr ausgeprägt, weil der Körper durch den Schutzreflex der Muskelverkrampfung verhindert, dass die Entzündungsregion durch Bewegung weiter gereizt wird. Begleitende Zeichen sind Druckschmerz, Schwellung, Mundgeruch oder Fieber. Sobald diese Zeichen auftreten, ist rasches Handeln wichtig, weil sich Entzündungen im Kiefer- und Halsbereich auf lebenswichtige Strukturen ausbreiten können. Die Behandlung erfolgt in der Regel oralchirurgisch, häufig ergänzt durch eine gezielte medikamentöse Therapie.
Traumatische Ursachen und seltene Auslöser
Nach einem Sturz, einem Sportunfall oder einem Schlag ins Gesicht kann eine Kieferklemme auf eine Fraktur hindeuten, etwa des Unterkiefers oder des Jochbeins. Auch nach zahnärztlichen Eingriffen, Leitungsanästhesien oder größeren Operationen im Kieferbereich tritt gelegentlich eine vorübergehende Kieferklemme auf. Ursache sind dann meist kleine Blutergüsse (Hämatome) in der Kaumuskulatur oder Reizungen benachbarter Nerven und Muskeln.
Narbige Veränderungen, zum Beispiel nach Bestrahlungen im Kopf-Hals-Bereich oder nach Verbrennungen, können die Mundöffnung dauerhaft einschränken. Diese Form der Kieferklemme ist mechanischer Natur: Nicht Muskelkrampf, sondern bindegewebige Vernarbung blockiert die Beweglichkeit des Unterkiefers. Das ist ein wichtiger Unterschied, weil die Therapie sich grundlegend von der muskulären Behandlung unterscheidet.
Sehr selten liegt der Kieferklemme eine neoplastische Ursache zugrunde, also ein Tumor im Bereich der Kaumuskulatur, des Kieferknochens oder des Kiefergelenks. Auch diese Möglichkeit gehört zur vollständigen Diagnostik, weshalb bildgebende Verfahren wie das 3-D-Röntgen so wichtig sind. Wird ein Tumor frühzeitig erkannt, stehen deutlich mehr Behandlungsoptionen zur Verfügung als im fortgeschrittenen Stadium.
Beratung · unverbindlich Sie sind unsicher, was die Ursache ist?Schweregrade der Kieferklemme: Grad I bis III
Kieferchirurgen teilen die Kieferklemme nach dem Ausmaß der eingeschränkten Mundöffnung ein. Als Maß dient die Schneidekantendistanz, der Abstand zwischen den Schneidezähnen des Ober- und Unterkiefers bei maximaler Mundöffnung. Diese einfache Messung ist ein zuverlässiger Anhaltspunkt für den Schweregrad und die weitere Therapieplanung.
| Schweregrad | Schneidekantendistanz | Mundöffnung (relativ) | Klinisches Bild | Typische Therapie |
|---|---|---|---|---|
| Grad I | über 30 mm | Leichte Einschränkung, Essen und Sprechen meist möglich; gelegentliche Schmerzen beim weiten Öffnen | Konservativ: Schiene, Entspannung, Wärme | |
| Grad II | 15 – 30 mm | Deutliche Einschränkung; weiches Essen, Sprechen anstrengend; regelmäßige Schmerzen | Kieferchirurgisch-konservativ, ggf. Medikation | |
| Grad III | unter 15 mm | Starke Einschränkung; Nahrungsaufnahme und Mundhygiene erheblich beeinträchtigt; häufig starke Schmerzen | Spezialisierte kieferchirurgische Behandlung dringend |
Die Schneidekantendistanz wird klinisch zwischen den Schneidezähnen gemessen. Ab einem Wert unter 30 mm sprechen Fachleute in der Regel von einer behandlungsbedürftigen Kieferklemme. Die genaue Einordnung nimmt Ihr Kieferchirurg nach Untersuchung und Bildgebung vor.
Grad I, leicht
Mundöffnung noch bis etwa 30 mm möglich. Behandlung meist konservativ, oft muskuläre Ursache. Alltag kaum eingeschränkt, Schmerzen moderat.
Grad II, mittel
Mundöffnung zwischen 15 und 30 mm. Essen, Sprechen und Zahnpflege deutlich erschwert. Gezielte Diagnostik und Therapieplanung nötig.
Grad III, schwer
Mundöffnung unter 15 mm. Häufig entzündliche oder mechanische Ursache. Oft rasches kieferchirurgisches Handeln erforderlich.
Zur Orientierung: Eine normale Mundöffnung entspricht in etwa der Breite von drei übereinandergelegten Fingern. Wenn Sie deutlich weniger als zwei Finger zwischen Ihre Schneidezähne bekommen, ist das ein klarer Anlass für eine fachärztliche Abklärung.
Warum der Schweregrad die Therapiestrategie bestimmt
Die Einteilung in Schweregrade ist nicht nur akademisch, sie hat direkte Auswirkungen auf die Wahl der Behandlung. Bei Grad I steht in der Regel die konservative Therapie im Vordergrund: Schienentherapie, Entspannung der Kaumuskulatur, gegebenenfalls eine medikamentöse Begleitbehandlung. Eine Operation ist bei Grad I selten nötig.
Bei Grad II wird die Ursache durch Bildgebung, meist unser 3-D-Röntgen, genau lokalisiert. Liegt eine entzündliche Ursache vor, muss diese behandelt werden, bevor die Mundöffnung dauerhaft verbessert werden kann. Mechanische Hindernisse im Kiefergelenk können unter Umständen einen minimalinvasiven Eingriff erfordern.
Grad III bedeutet für viele Patientinnen und Patienten erhebliche Einschränkungen im Alltag: Normale Kost ist kaum mehr möglich, Zahnpflege und Sprachverständlichkeit leiden. Hier ist konsequentes und zeitnahes Handeln wichtig. Gleichzeitig steigt bei Grad III die Wahrscheinlichkeit, dass eine Entzündung schon fortgeschritten ist. Warten verschlechtert die Ausgangslage – wir empfehlen deshalb, umgehend einen Kieferchirurgen aufzusuchen.
Symptome: Wann der Kiefer Hilfe braucht
Die Kieferklemme kündigt sich in vielen Fällen an. Frühe Signale ernst zu nehmen lohnt sich: Je früher die Ursache erkannt wird, desto schonender fällt die Behandlung aus.
Sofortmaßnahmen bei Kieferklemme
Was Sie jetzt tun können, Schritt für Schritt abhaken
Symptome, die auf einen Notfall hinweisen
Nicht jedes Symptom einer Kieferklemme erfordert sofortiges Handeln. Folgende Zeichen sollten Sie jedoch keinesfalls abwarten oder ignorieren, weil sie auf eine sich ausbreitende Entzündung oder eine strukturelle Schädigung hindeuten können.
Wenn zusätzlich Fieber, deutliche Schwellung oder Atemnot auftreten, handelt es sich um eine ernst zu nehmende Situation. Suchen Sie in diesem Fall umgehend eine Praxisklinik oder Notaufnahme auf.
Schmerzen, die trotz Schonung innerhalb von zwei bis drei Tagen nicht nachlassen, sind ebenfalls ein klares Signal dafür, die Beschwerden nicht länger abzuwarten. Erfahrungsgemäß schildern Patientinnen und Patienten im Nachhinein, dass die Beschwerden sich schrittweise verschlechtert haben, und dass ein früherer Arztbesuch die Behandlung erheblich einfacher gemacht hätte.
Eingeschränkte Mundöffnung
Weniger als zwei Finger passen zwischen die Schneidezähne, oft das erste und deutlichste Zeichen.
Schmerzen beim Kauen und Sprechen
Ziehende oder stechende Schmerzen in Wangen und Schläfen, die sich bei Bewegung verstärken.
Verspannungsgefühl
Dauerhaftes Druckgefühl in Wangen, Schläfen oder im Nacken, auch in Ruhe.
Kiefer-Knacken und -reiben
Geräusche beim Öffnen und Schließen des Mundes, die auf Veränderungen im Kiefergelenk hinweisen können.
Kopfschmerzen und Ohrschmerzen
Ausstrahlung in Schläfen, Stirn oder Ohren, typisch bei Beteiligung der Kaumuskulatur.
Schluckbeschwerden
Schmerzen oder Schwierigkeiten beim Schlucken, besonders bei entzündlicher Ursache.
Diagnose in der DOC Praxisklinik
Eine präzise Diagnose ist die Grundlage jeder erfolgreichen Behandlung. In der DOC Praxisklinik im Wiley Neu-Ulm nehmen wir uns Zeit, Ihre Beschwerden ausführlich zu besprechen und die Ursache Ihrer Kieferklemme systematisch abzuklären.

Am Anfang steht das Gespräch: Wann sind die Beschwerden aufgetreten? Gab es einen Unfall, eine Zahnbehandlung, eine Infektion? Knirschen Sie nachts? Anschließend messen wir die Schneidekantendistanz, prüfen Kiefergelenk und Kaumuskulatur und tasten den Mundboden sowie umliegende Lymphknoten ab.
Anamnese und klinische Untersuchung
Dabei achten wir auch auf seitliche Abweichungen des Unterkiefers beim Öffnen, ein Zeichen, das auf eine einseitige Beteiligung des Kiefergelenks hindeuten kann. Ebenso prüfen wir, ob die Einschränkung in erster Linie aktiv (beim Versuch zu öffnen) oder auch passiv (beim sanften manuellen Öffnen) besteht. Dieser Unterschied ist für die Ursachensuche wichtig: Eine rein muskuläre Kieferklemme lässt sich oft passiv etwas weiter öffnen als aktiv. Liegt dagegen ein mechanisches Hindernis vor, bleibt die Öffnung in beiden Situationen annähernd gleich stark eingeschränkt.
3-D-Röntgen für präzise Bildgebung
Wenn Knochen, Zähne oder Kiefergelenk beteiligt sein könnten, setzen wir bei Bedarf unser 3-D-Röntgen ein. Die digitale Volumentomografie (DVT) liefert dreidimensionale Bilder mit hoher Detailschärfe, bei vergleichsweise geringer Strahlenbelastung. So erkennen wir Frakturen, Zysten, Zahnbeteiligungen oder Veränderungen am Kiefergelenk, die auf einem herkömmlichen Röntgenbild nicht sichtbar wären.
Gegenüber einer zweidimensionalen Panoramaaufnahme zeigt das DVT Knochenstrukturen in allen drei Raumebenen. Das ist besonders bei Kiefergelenkveränderungen, Kondylusfrakturen und bei der Planung kieferchirurgischer Eingriffe ein erheblicher Vorteil. Wir können damit beurteilen, ob das Kiefergelenk selbst, also der Kondylus und die Gelenkfläche, Veränderungen zeigt, die die Kieferklemme mechanisch erklären.
Nach Anamnese, Untersuchung und Bildgebung erklären wir Ihnen ausführlich, was wir gefunden haben, welche Ursache wahrscheinlich ist und welche Behandlungsschritte wir empfehlen. Unsere Empfehlungen beruhen auf den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und unserer langjährigen Erfahrung in der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie.
Behandlung der Kieferklemme in Neu-Ulm
Die Therapie richtet sich immer nach der Ursache. In unserer Praxisklinik decken wir alle Behandlungsstufen unter einem Dach ab, von der konservativen Schienentherapie bis zum kieferchirurgischen Eingriff. Wir erklären Ihnen ausführlich, welche Therapie unserer Meinung nach für Sie die verlässlichste Lösung ist.
Konservative kieferchirurgische Therapie
Bei muskulären Ursachen und leichten Formen der Kieferklemme steht die konservative Therapie im Vordergrund. Dazu gehören:
- Aufbissschiene zur Entlastung von Kiefergelenk und Kaumuskulatur, besonders bei Bruxismus
- Korrekturen der Zahnkontakte, wenn Fehlbelastungen die Verspannung auslösen
- Medikamentöse Begleittherapie mit Entzündungshemmern oder Muskelrelaxanzien, zeitlich befristet und ärztlich kontrolliert
- Wärmeapplikation und Schonung als unterstützende Maßnahmen in der Akutphase
Die Aufbissschiene ist bei Bruxismus das Mittel der Wahl: Sie verhindert, dass die Zähne beim Knirschen direkten Kontakt haben, entlastet die Kaumuskulatur und schützt die Zahnsubstanz. Eine individuell angefertigte Schiene sitzt präzise und arbeitet deutlich effektiver als konfektionierte Produkte aus dem Handel. Wie lange und in welchem Umfang eine Schienentherapie sinnvoll ist, besprechen wir nach der Diagnose mit Ihnen.
Oralchirurgische Behandlung
Steht eine Entzündung oder ein zahnmedizinisches Problem hinter der Kieferklemme, kommt die Oralchirurgie zum Einsatz. Wir entfernen dann zum Beispiel entzündungsauslösende Weisheitszähne besonders schonend, versorgen Abszesse oder behandeln Zysten. Ziel ist, die zugrunde liegende Entzündung nachhaltig zu beseitigen, damit die Kaumuskulatur wieder frei arbeiten kann.
Wichtig: Wird ein Abszess erkannt, muss dieser in der Regel zeitnah chirurgisch eröffnet und drainiert werden. Alleinige Antibiotika können einen Abszess nicht vollständig beseitigen, weil die Substanz ins Innere des Abszesses nicht ausreichend eindringt. Die antibiotische Therapie begleitet den chirurgischen Eingriff, ersetzt ihn aber nicht. Das ist ein häufiges Missverständnis, das wir im Patientengespräch ausführlich erklären.
Kieferorthopädisch-kieferchirurgische Kombinationstherapie
Liegen strukturelle Ursachen vor, zum Beispiel eine Fehlstellung der Kiefer, die die Kaumuskulatur dauerhaft überlastet, kann eine kombinierte Therapie sinnvoll sein. Kieferorthopädische Behandlung und Kieferchirurgie greifen dabei ineinander. Wir planen den Eingriff auf Basis der 3-D-Bildgebung und stimmen uns eng mit dem behandelnden Kieferorthopäden ab. Nähere Informationen zu diesem Behandlungskonzept finden Sie in unserem Leistungsspektrum.
Schmerzfreie Behandlung, auch für Angstpatienten
Viele Patientinnen und Patienten mit Kieferklemme haben Scheu vor der Behandlung, gerade wenn Berührungen im Mundbereich bereits schmerzhaft sind. Für Sie halten wir mehrere Anästhesieverfahren bereit:
| Verfahren | Wann sinnvoll? |
|---|---|
| Lokalanästhesie | Kleinere oralchirurgische Eingriffe, gezielte Betäubung des Behandlungsgebiets |
| Sedation | Bei ausgeprägter Angst oder längeren Eingriffen, tiefere Entspannung |
| Vollnarkose | Bei umfangreichen kieferchirurgischen Eingriffen oder ausgeprägter Behandlungsangst |
Welches Verfahren für Sie geeignet ist, besprechen wir gemeinsam. Die Auswahl richtet sich nach Umfang des Eingriffs, gesundheitlichen Voraussetzungen und Ihren persönlichen Wünschen. Patientinnen und Patienten, die bei früheren Zahnbehandlungen schlechte Erfahrungen gemacht haben, sprechen wir besonders ermutigt an: Es gibt heute gute Möglichkeiten, Eingriffe so angenehm wie möglich zu gestalten.
Verlauf und Prognose der Kieferklemme
Die Aussichten bei einer Kieferklemme sind in den meisten Fällen gut, sofern die Ursache erkannt und gezielt behandelt wird. Entscheidend ist jedoch der Zeitpunkt der Behandlung: Je länger eine Kieferklemme unbehandelt bleibt, desto mehr riskiert man einen Übergang in eine chronische Form.
Wie schnell bessert sich eine Kieferklemme?
Bei einer muskulär bedingten Kieferklemme, die gezielt behandelt wird, lässt sich in der Regel innerhalb weniger Wochen eine deutliche Besserung erzielen. Die Kaumuskulatur spricht auf Entlastung an, die Mundöffnung nimmt schrittweise zu, die Schmerzen werden weniger. Wichtig ist, die Ursache, etwa Bruxismus oder eine Fehlbelastung durch schlechte Zahnkontakte, dauerhaft zu beheben. Sonst besteht das Risiko, dass die Kieferklemme wiederkehrt.
Entzündlich bedingte Kieferklemmen bessern sich in der Regel rasch, sobald der Infektionsherd beseitigt ist. Hat zum Beispiel ein entzündeter Weisheitszahn die Kaumuskulatur verkrampft, normalisiert sich die Mundöffnung nach dessen Entfernung meist innerhalb von ein bis zwei Wochen, abhängig davon, wie weit die Entzündung fortgeschritten war.
Bei traumatischen Ursachen, etwa nach einer Fraktur, richtet sich die Heilungsdauer nach der Art und dem Ausmaß der Verletzung. Frakturen, die operativ versorgt werden, müssen ausheilen, bevor die volle Mundöffnung wieder möglich ist. Narbige Veränderungen nach Bestrahlungen sind schwieriger zu behandeln und erfordern spezialisierte kieferchirurgische Verfahren.
Wann gilt eine Kieferklemme als chronisch?
Von einer chronischen Kieferklemme spricht man, wenn die Mundöffnungseinschränkung über mehrere Monate anhält und auf einfache konservative Maßnahmen nicht anspricht. Das kann passieren, wenn eine Diskusverlagerung im Kiefergelenk (eine Fehllage des Gelenkknorpels, auch ADDwoR genannt) unbehandelt bleibt oder wenn narbige Veränderungen fortschreiten. In solchen Fällen ist eine spezialisierte kieferchirurgische Abklärung zwingend, nicht nur um die Beschwerden zu lindern, sondern um eine dauerhafte Schädigung des Kiefergelenks zu verhindern.
Eine Kieferklemme, die sich nicht innerhalb von sieben bis zehn Tagen bessert oder wiederholt auftritt, sollte fachärztlich untersucht werden. Chronische Formen lassen sich behandeln, aber mit zunehmendem Zeitverlauf werden die therapeutischen Optionen aufwändiger.
Wann müssen Sie sofort in die Praxis kommen?
Nicht jede Kieferklemme ist ein Notfall, manche Muskelverspannungen lösen sich mit Ruhe und Wärme innerhalb weniger Tage. Es gibt jedoch Warnsignale, bei denen Sie zeitnah eine kieferchirurgische Praxis aufsuchen sollten.
Wie dringend benötigen Sie einen Kieferchirurgen?
Wählen Sie die Beschreibung, die am besten zu Ihrer Situation passt.
- Starke, zunehmende Schmerzen mit Schwellung oder Rötung
- Fieber und allgemeines Krankheitsgefühl
- Schluckbeschwerden oder erschwerte Atmung
- Plötzliche, vollständige Blockade der Mundöffnung
- Kieferklemme nach Unfall, Sturz oder Schlag ins Gesicht
- Beschwerden, die länger als sieben Tage anhalten
- Anhaltende Kieferklemme nach einer zahnärztlichen Behandlung
In all diesen Fällen ist die frühzeitige Vorstellung wichtig. Eine Kieferklemme kann Ausdruck einer sich ausbreitenden Entzündung, einer Fraktur oder einer strukturellen Veränderung im Kiefergelenk sein. Besonders Schwellung verbunden mit Schluckbeschwerden ist ein ernstes Zeichen: In manchen Fällen kann eine Entzündung des Kieferboden- oder Halsbereichs (Ludwig-Angina) entstehen, die eine umgehende Behandlung erfordert.
Wenn Ihnen unsicher ist, ob Ihre Beschwerden dringend sind: Im Zweifel lieber früher anrufen. Unser Team bewertet Ihre Situation am Telefon und findet, wenn nötig, schnell einen Termin für Sie.
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